Namensgeber
Marcus Aurelius Probus
Der römische Kaiser Marcus Aurelius Probus sicherte in seinen Kämpfen gegen die Franken, Alemannen, Burgunden, Wandalen und Goten die Rhein- und Donaulinie. Im Jahre 280 hob er das von Kaiser Domitian im Jahre 92 verhängte Verbot auf, in den Provinzen außerhalb von Italien Rebstöcke anzupflanzen bzw. bestehende Weinberge zum Teil zu roden.
In der "Historia Augusta" (zeitgenössische Kaisergeschichte) wird erwähnt: Gallis omnibus et Hispanis ac Brittannis hinc permisit, ut vites haberent vinumque conficerent (Er erlaubte allen Galliern, Spaniern und Briten Reben zu besitzen und Wein herzustellen). In Deutschland und Österreich gilt er als Begründer des Weinbaus.
Sicher ist, daß die Römer bereits lange vor Probus den Weinanbau in ihren Nordprovinzen forcierten - in Österreich wird nachweislich schon seit der Zeit der keltischen Besiedelung vor ca. 2.700 Jahren Weinbau betrieben - allerdings deutet zugleich vieles darauf hin, daß die Weinproduktion in diesen Regionen nach der Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts deutlich an Bedeutung gewonnen hat, eine Verbindung mit den Maßnahmen des Kaisers ist demnach naheliegend.
Biographie
Marcus Aurelius Probus (* 19. August 232 in Sirmium, Unterpannonien (nahe dem heutigen Sremska Mitrovica in Serbien); † 282 ebenda) war römischer Kaiser von 276 bis 282.
Herkunft
Über seine familiären Verhältnisse und seine Jugend ist kaum etwas bekannt. Gerüchten zufolge soll sein Vater ein Gemüsehändler namens Dalmatius gewesen sein. Wahrscheinlicher ist aber, daß er ein Staatsbeamter oder Soldat war.
Marcus Aurelius Probus schlug eine militärische Karriere ein und war sein ganzes Leben lang Berufssoldat gewesen. Er genoß nicht nur bei seinen Truppen, sondern auch bei Kaiser Aurelian hohes Ansehen. In dessen Auftrag verteidigte er etwa Germanien gegen die Alemannen. Unter Tacitus wechselte er in den Osten als Oberkommandierender über Ägypten und Syrien. Nach dem Tod des Kaisers verwehrte er Florianus die Gefolgschaft und erklärte, Tacitus habe ihn zum Thronerben ernannt. Einige Wochen später ließ er sich durch seine Truppen tatsächlich zum Kaiser ausrufen.
Die Armeen der Kontrahenten trafen bei Tarsus aufeinander, doch vermied Probus mit seinen zahlenmässig unterlegenen Truppen die offene Feldschlacht. Stattdessen setzte er auf das Wüstenklima, das die aus dem Alpengebiet stammenden Männer des Florianus mürbe machen sollte. Nach einigen Scharmützeln ging diese Rechnung auf und der Kaiser wurde von seinen eigenen Leuten - wohl auf Geheiß Probus' - ermordet. So konnte er im September 276 die Herrschaft übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt war Probus etwa 44 Jahre alt.
Herrschaft
Man sagte Probus nach, daß er dem militärischen Geschick Aurelians um nichts nachstand. Sein Können wurde auch bald auf eine harte Probe gestellt. Fast seine gesamte Regierungszeit kämpfte er gegen äußere und innere Feinde.
Als erstes begab sich der Kaiser nach Rom, wo ihn der Senat in seinem Amt bestätigte. Die Nachricht, daß er dem Senat genügend Spielraum bei der Staatsführung gewährte, dürfte erfunden sein. Die noch lebenden Mörder des Aurelian ließ er indes aufgreifen und hinrichten.
Das dringlichste aller Probleme war die Verwüstung Galliens und Germaniens durch eingedrungene Franken im Norden und Vandalen sowie Burgunder im Süden. Gemeinsam mit den Franken zogen noch die Lugioner, eine Kultgemeinschaft vandalischer Stämme, in das Reichsgebiet. Bislang hatte sich Gallien relativ sicher wiegen können, doch nun waren erstmals seit der Eroberung drei Jahrhunderte zuvor germanische Stämme tief ins Landesinnere des Römischen Reiches vorgedrungen.
Probus schlug in den Jahren 277 und 278 die Eindringlinge nacheinander zurück und konnte sowohl die Rhein- als auch die obere Donaugrenze wieder herstellen. Dabei wurde Semnon, der Anführer der Lugioner, gefangen genommen. Dieser durfte mit seinen Leuten nach Herausgabe der Beute und der Gefangenen wieder in die angestammten Wohnsitze zurückkehren. Überhaupt wird Probus' Kriegsführung als taktisch klug beschrieben. Zahlenmäßig unterlegen spaltete er die gegnerischen Truppen zunächst auf, um sie anschließend einzeln besiegen zu können. Im Jahre 278 erscheint auf Münzen die Legende Restitutor Illyrici (Wiederhersteller Illyriens), was auf einen Sieg über die Vandalen in diesem Jahr verweist.
Auch Franken und Burgundern wollte der Kaiser ähnliche Bedingungen wie den Lugionern einräumen. Doch diese wollten die Kriegsgefangenen nicht herausgeben. So griff sie Probus unvermittelt an und nahm den Stammesführer Igillus gefangen. Dieser Sieg brachte ihm den Ehrentitel Germanicus ein. Neun germanische Stammesfürsten wurden als Geiseln genommen und 16.000 Krieger dem römischen Heer einverleibt. Gleichzeitig verstärkte man die Verteidigungsanlagen am östlichen Rheinufer.
Die abgewendete Bedrohung Galliens läßt sich in ihrem Ausmaß schon alleine dadurch erkennen, dass 60 größere Städte von Probus entsetzt wurden. Dies sollte aber nur das Vorspiel für die kommenden beiden Jahrhunderte werden, wo die Germanengefahr für die germanischen und gallischen Provinzen immanent bleiben sollte.
Nach Abwendung der Germanengefahr, ging er ein Jahr später nach Osten. An der unteren Donau wurden zunächst die Geten besiegt. In Kleinasien terrorisierten unterdessen militärisch organisierte Räuberbanden unter der Führung von Lydus dem Isaurer (in manchen Quellen auch Palfuerius genannt) die Provinzen Pamphylien und Lykien.
Lydus fiel im Kampf und nach längerer Belagerung durch kaiserliche Truppen ergab sich das Hauptquartier der Rebellen in der isaurischen (im südlichen Kleinasien) Bergfestung Cremna. Als nächstes hatte sich Probus mit einem Aufstand in Oberägypten herumzuschlagen, den die nubischen Blemmyer angezettelt hatten. Nach der Eroberung der Städte Koptos und Ptolmais konnten sie vom lokalen Statthalter wieder zurückgedrängt werden.
In Syrien schwang sich unterdessen Iulius Saturninus, mit dem Wiederaufbau des durch Erdbeben zerstörten Antiochia beschäftigter Statthalter, aufs hohe Roß und reklamierte den Thron für sich. Goldmünzen zeigen seine Ambitionen. Aber auch er wurde wie schon viele vor ihm rasch umgebracht; ob von den eigenen Leuten oder im Auftrag von Probus läßt sich nicht mehr feststellen. Nach einigen halbherzigen Aktionen gegen die Perser, für die sich der Kaiser den Titel Persicus maximus zulegte, schien die Lage im Herbst 279 aber endlich gefestigt zu sein. Das Selbstvertrauen, das Probus an den Tag legte, erwies sich indes als unbegründet. Den Rest seiner Regierung hatte er sich mit Aufständen und Gegenkaisern im Inneren auseinander zusetzen.
Geschenke, die einen dauernden Frieden zwischen Persien und Rom einleiten sollten, wies Probus zurück. Die Perser boten nun einen einfachen Waffenstillstand an. Der war auf beiden Seiten auch von Nöten gewesen. Der Perserkönig Bahram II. wurde nicht überall in seinem Land gutgeheißen und auch im Westen des Römischen Reiches gab es wieder Probleme. Auf dem Weg dorthin siedelte er in Thrakien 100.000 skythische Batarner an. Sie sollten die entvölkerte Grenzprovinz wiederbeleben.
281 ließen sich mit Bonosus, dem Flottenkommandanten am Rhein, und Proculus, einem Häuptling der Ingauni, zwei Männer in Köln zu Kaisern (vielleicht im Sinne eines Doppelkaisertums) ausrufen. In den westlichen Provinzen stieß diese Usurpation auf große Zustimmung (im spanischen Valentia wurden etwa die Inschriften Probus' getilgt) und so konnte sich Probus erst nach einigen Monaten wieder Autorität verschaffen. Die Schlacht ging in der Nähe von Köln über die Bühne. Proculus, zu den Franken geflohen, wurde verraten und Bosonus beging nach Erkennung der Aussichtslosigkeit seiner Lage Selbstmord.
Ein vom britannischen Statthalter angezettelter Aufstand wurde von jenem Mann beendet, der diesen für den Posten empfohlen hatte. Victorinus, von mauretanischer Herkunft, ermordete den Usurpator, weil er die Rache des Kaisers fürchtete.
Die Siege in Germanien wurden Ende 281 mit einem großen Triumphzug und verschwenderischen Spielen gefeiert. Für die Simulation einer Raubtierjagd in einem Wald pflanzte man ausgewachsene Bäume in mit Erde gefüllten Holzwannen. An einem Tag sollen je 200, Löwen, Leoparden und Bären zur Belustigung des Publikums hingeschlachtet worden sein. Auch die germanischen, isaurischen und nubischen Kriegsgefangenen hatten sich gegenseitig in Gladiatorenkämpfen ihrem Schicksal zu ergeben.
Tod
Die bisher nur halbherzig geführten Aktionen gegen die Perser wollte Probus in einen echten Feldzug münden lassen. Deshalb brach er im Frühjahr 282 wieder einmal gen Osten auf. Die Abwesenheit des Kaiser sollte der Prätorianerpräfekt Marcus Aurelius Carus ausnutzen. Mit Unterstützung der nächstgelegenen Legionen in Noricum und Raetien und natürlich seiner Prätorianer ließ er sich zum Kaiser ausrufen.
Die von Probus wieder zurückgeschickten Soldaten bekämpften den Usurpator aber nicht, sondern liefen zu ihm über. Als diese Nachricht im Feldlager des Kaisers eintraf, wechselten auch die verbliebenen Truppen zu Carus. Plötzlich von Feinden umringt floh Probus, der gerade ein Projekt zur Landgewinnung beaufsichtigte, in einen Wachturm nahe bei Sirmium. Dort wurde er von seinen Soldaten erschlagen.
Man bestattete den Kaiser ganz in der Nähe unter einem mächtigen Grabhügel, doch fiel sein Andenken der Verdammung anheim. Obwohl seine Inschriften getilgt worden waren, hielten die Historiker sein Andenken wach.
Bewertung
Nach der Wiederherstellung des Friedens soll Probus verkündet haben, in Zukunft keine Soldaten mehr zu benötigen. Das nicht gesicherte Zitat könnte in abgemilderter Form tatsächlich über seine Lippen gekommen sein, da der Kaiser stolz auf seine Erfolge war und die nun freigewordenen Soldaten für andere Aufgaben einsetzte. Probus hatte zu Recht erkannt, daß die Wirtschaftskraft des Reiches bedrohlich geschwunden war.
So setzte er das Militär zur Wiederherstellung des Bodens ein. Besonders der Weinbau lag dem Kaiser am Herzen. Soldaten hatten neue Weinberge in Gallien und im Donauraum anzulegen, die anschließend einheimischen Winzern übergeben wurden. Großprojekte waren die Trockenlegung von Sümpfen an Donau und Nil. In Ägypten entstanden neue Tempel und Brücken und in Rom konnte die Fertigstellung der Aurelianischen Mauer gefeiert werden.
Es versteht sich von selbst, daß die Soldaten ob der vielen rein zivilen Aufgaben nicht besonders begeistert waren. Auch im Offizierskorps regte sich Unmut, da sie nach Probus' Zitat Entlassungen befürchteten.
Die Schriftsteller des 4. Jh. n. Chr., allen voran Eutropius oder Aurelius Victor, stilisierten ihn deshalb beinahe zum Helden und beschrieben ihn als begabten und tatkräftigen Menschen, der lediglich der mangelnden Loyalität seiner Soldaten zum Opfer gefallen war. In den sechs Jahren seiner Herrschaft konnte Probus die Einheit des Römischen Reiches verteidigen und die Erfolge eines Aurelian absichern. Was ihn auszeichnet ist nicht nur seine kluge Militärführung, sondern der Versuch, die durch die ständigen Kriege darniederliegende Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen.
Die zahlreichen Motive auf seinen Münzen und wechselnde Titel lassen auf eine stete Zunahme des Kaiserkultes schließen. Auch in diesem Punkt setzte er die Tradition seiner Vorgänger fort, die kultischen Maßnahmen auf den Kaiser und nur einen Gott zu zentrieren.
Zitate
Eutropius, Breviarium IX, 17 über die Eigenschaften des Probus:
"Er war ein tatkräftiger, energischer und gerechter Herrscher, der an Kriegsruhm dem Aurelian in nichts nachstand, ihn aber durch sein gütiges Wesen übertraf."
Historia Augusta, Leben des Probus XXI zitiert die Grabinschrift des Probus:
"Hier liegt Kaiser Probus, ein Mann von erprobter Tugend, Sieger über alle barbarischen Nationen, Sieger auch über die Gegenkaiser."
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